Gießen – Schulschutzraum Bismarckstraße

Im Zuge des Neubaus der Universitätsbibliothek in 1955-1959 wurde unter dem Eingangsbereich ein Schulschutzraum erichtet 1

Damit dürfte dieser Schutzraum zu einem der ersten geplanten Neubauten in der Bundesrepublik gehören, da der Schutzraumbau in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg durch die Besatzungsmächte verboten wurde. Erst 1951 stimmten die Westalliierten aufgrund der neuen Bedrohungslage des beginnenden Kalten Krieges und der ersten Stellvertreterkriege der Aufhebung des Verbotes zu. Diese Aufhebung wurde dann im Mai 1952 formal aufgehoben. 2
Dies bedeutet auch, dass Anlagen aus dieser Zeit ohne genauere Kenntnisse und Erfahrungen in den Wirkungen von Atomwaffen geplant und gebaut wurden. Erst 1957 wurden im Rahmen der „Operation Plumbbob“ auch Deutsche Entwürfe zu Schutzräumen in Nevada in den Wüstensand gebaut um bei Atomwaffentests deren Schutzwirkung zu prüfen. 3.
Nach den überlieferten Berichten trugen dabei selbst die in nur 250 Metern vom Detonationsort befindlichen Bauwerke nur leichte Schäden davon und hätten vermutlich die Insassen geschützt. Allerdings war dieses Bauwerk in der Schutzklasse S9 ausgeführt – der höchsten der regulären Schutzklasse in Deutschland. 4. Mit dem weiteren Verlauf des Kalten Krieges wurden vor allem öffentliche Schutzräume nach immer geringeren Schutzklassen gebaut, da die hohen Schutzklassen sehr aufwändig und teuer waren.

Da die hier vorliegende Anlage vermutlich vor den Erfahrungen aus den Tests in Nevada geplant und gebaut wurde, erinnert die Anlage eher an einen Luftschutzkeller aus dem 2. Weltkrieg – wenn auch mit moderneren Türen – als an die später errichteten Schutzräume.
Auch waren die Anlagen, soweit sich das heute erkennen lässt, nur für einen kurzen Aufenthalt vorgesehen. Es gab keine Wasserversorgung und zumindest keine keine größeren Mengen eingelagerter Lebensmittel.

Ein Dankeschön geht hier an die Dame von der Pressestelle der Justus-Liebig-Universität sowie dem Hausmeister, die einen Besuch der Anlage und die veröffentlichung von Fotos möglich gemacht haben.

Quellen
  1. https://www.geschichtsspuren.de/datenbanken/bunker-datenbank/details/6/2034-Gie–en–Schulschutzraum–Bismarckstra–e-37.html[]
  2. https://www.geschichtsspuren.de/artikel/bunker-luftschutz-zivilschutz-/194-zivilschutzanlagen-ueberblick.html[]
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Plumbbob[]
  4. Buch: Bunker aus dem Kalten Krieg von Christoph Lubbe[]